Warum euer Klimagerät nicht so gut kühlt, wie es könnte

Spezial, 25.06.2026

Günstige Klimageräte können 30-40% effektiver kühlen. Mit einem Schlauch, Klebeband und einem alten Karton.

Die heißen Tage sind da und wer eine Klimaanlage hat, gehört wahrscheinlich zu den Glücklicheren. Die effizientesten Klimaanlagen sind natürlich die Split-Geräte, bei denen der heiße Kompressor außen angebracht ist. Aber nicht jeder kann oder will sich diese teuren Geräte leisten oder kann sie zum Beispiel in einer Mietwohnung installieren. Die (Not)-Lösung sind dann Klimageräte mit einem Abluftschlauch, auch oft „Monoblock“ genannt. Das Praktische: Man kann sie in jedem Zimmer aufstellen, einfach den Schlauch aus dem Fenster hängen – (fast) fertig!

Aber: Die Technik und die Physik machen das zu einer relativ dummen Lösung.

 

Standard-Klimagerät mit Abluftschlauch

 

Der Einschläucher: Wie er funktioniert – und wo er scheitert

Ein mobiles Einschlauch-Klimagerät arbeitet nach einem einfachen Prinzip: Ein Kompressor entzieht der Raumluft Wärme, kühlt sie ab. Doch um das zu tun, produziert der Kompressor selbst jede Menge Wärme, die irgendwo hin muss. Und dafür gibt es den Abluftschlauch, der diese Wärme nach draußen pustet. Was sich simpel anhört, birgt einen grundlegenden physikalischen Nachteil.

 

Das Unterdruck-Problem

Um die Wärme des Kompressors abzuführen und raus zu pusten, muss natürlich die Luft von irgendwo herkommen. Und die saugt das Gerät durch seine Gitterlamellen unmittelbar aus dem Zimmer an. Dadurch entsteht im Raum ein Unterdruck, der ausgeglichen werden muss. Und das geschieht unweigerlich dadurch, dass warme Außenluft durch alle möglichen Spalten und Ritzen in den Raum strömt: unter Türen, durch Fensterrahmen, Rollladenkästen usw.

Das Ergebnis ist paradox: Das Gerät kühlt den Raum, und gleichzeitig pumpt es durch die Hintertür kontinuierlich heiße Außenluft herein. Ein erheblicher Teil der Kühlleistung wird so sofort wieder zunichte gemacht, weil wieder neue, heiße Luft gekühlt werden muss. Der Verlust dürfte je nach Temperaturen bei 25% bis teilweise 50% der Nennkühlleistung liegen.

Klimagerät mit zwei Schläuchen

 

Mit dem zweiten Schlauch wird’s kälter

Das Klimagerät saugt also Luft aus dem Raum zum einen zur Kühlung des Raumes und zum anderen zum Kühlen des Kompressors an. Und tatsächlich handelt sich dabei um zwei Kreisläufe, die mit dem zweiten Schlauch auch wirklich getrennt werden:

Der schon vorhandene erste Schlauch (oben) führt wie gewohnt die heiße Abluft des Kompressors nach draußen. Der neue, zweite Schlauch saugt Außenluft an, die den Kompressor kühlt. Denn auch wenn es draußen heiß ist, ist diese Luft immer noch kälter als die Abwärme des Kompressors.

Der Innenraum ist von diesem Luftkreislauf jetzt völlig getrennt. Es entsteht kein Unterdruck, keine warme Außenluft strömt nach. Das Gerät kühlt nur die Raumluft und nicht zusätzlich auch noch neue, heiße Luft von außen.

Tatsächlich gibt es auch Geräte mit zwei Schläuchen zu kaufen. Allerdings so gut wie gar nicht in Europa. In den USA sind sie deutlich stärker verbreitet und kosten etwa das Doppelte im Vergleich zu den Einschläuchern.

 

Effizienzvergleich: Die Zahlen

Bei einem typisches Klimagerät mit 2.500 W Nennkühlleistung (ca. 9.000 BTU), einem einigermaßen gut abgedichtetem Zimmer von 25 Quadratmetern und einer Außentemperatur von 32 °C dürfte die Zweischlauch-Lösung etwa 40% besser sein. Wenn dieses Zimmer von 25 auf 22 Grad gekühlt werden soll, dauert es mit dem Standardgerät beispielsweise etwa 17 Minuten. Mit dem zweiten Schlauch 12 Minuten. Im Dauerbetrieb, also beim Halten einer konstanten Raumtemperatur an einem heißen Tag, ist der Unterschied noch relevanter: Der Zweischläucher muss seltener anlaufen, läuft kürzer und verbraucht über einen Sommertag mit 8 Stunden Betrieb schätzungsweise 25-35% weniger Strom als ein vergleichbarer Einschläucher.

 

Wie ihr mit einem alten Karton, Klebeband und einem Schlauch aus einem Einschläucher einen Zweischläucher macht, lest ihr hier.

 
 
 
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