Feinstaub-Strom und Lebensgefahr

aktuell, 22.06.2026

Dicke Luft und Lebensgefahr im Berufsverkehr: Eine donnerwetter.de-Messfahrt zeigt, wie hoch die Feinstaubbelastung in der Bonner Innenstadt durch die Sperrung der Nordbrücke zugenommen hat.

Es ist ein sonniger und sehr warmer Montagmorgen im Bonner Osten (22.6.). Der Himmel ist blau, eine leichte Brise sorgt für Luftaustausch – eigentlich beste Bedingungen, um sich aufs Fahrrad zu schwingen.

Doch statt einer entspannten Fahrt ins Grüne steht heute ein Experiment auf dem Plan. Ausgestattet mit verschiedenen mobilen Feinstaub-Messgeräten machen wir die Probe aufs Exempel. Unsere Messfahrt führt uns vom donnerwetter.de-Büro in Bonn-Pützchen am Stadtrand mitten hinein in den staugeplagten Kern der Bundesstadt, zum Bertha-von-Suttner-Platz.

Diese Fahrt dient einem ganz konkreten Zweck: Sie soll dokumentieren, wie extrem sich die Schadstoffbelastung in der Innenstadt durch die aktuelle Sperrung der Nordbrücke (A565) und die damit verbundenen Umleitungen durch das Innenstadtgebiet zuspitzen.

 

Die Fahrt beginnt direkt im dichten Verkehr auf der Bundesstraße 56, der Sankt Augustiner Straße. Sie fungiert derzeit als eine der Hauptumleitungsstrecken für die gesperrte Autobahnbrücke. Hier schlägt uns sofort die harte Realität des verlagerten Berufsverkehrs entgegen.

Messwerte B56

Der Verkehr rollt an diesem Morgen zwar noch „halbwegs“, dennoch staut es sich bereits Stoßstange an Stoßstange in beide Richtungen. Das Messgerät reagiert prompt und zeigt einen hohen Einstiegswert: 20.127 Partikel.

Die dicke Luft ist hier jedoch nicht das einzige Problem, das den Puls in die Höhe treibt. Teile der Strecke stadtauswärts sind eine lebensgefährliche Fehlkonstruktion für den Rad- und Fußgängerverkehr – im Zuge der Nordbrücken-Sperrung hat sich die geänderte Verkehrsführung hier für die schwächsten Verkehrsteilnehmer drastisch verschlechtert.

An einem Teilstück werden die Radfahrer mit auf die ohnehin engen Fußgängerwege gezwungen. Da die Fahrbahn direkt an diesen schmalen, kombinierten Fuß- und Radweg grenzt, wird es hier richtig brenzlig: Die Außenspiegel vorbeiziehender Busse und LKW befinden sich quasi auf Kopfhöhe der Radfahrer und Fußgänger.

Wenige Meter weiter halten wir am nächsten Stopp: dem Konrad-Adenauer-Platz. Die Messnadel verharrt auf hohem Niveau und pendelt sich bei rund 18.000 Partikeln ein.

Leichtes Aufatmen ist im Anschluss auf der Kennedybrücke angesagt. Weil die Nordbrücke dicht ist, quält sich hier Tag für Tag umso mehr Verkehr hinüber.

Doch zumindest über dem Wasser merkt man, wie der Fluss als grüne Lunge der Stadt fungiert. Der stetige Wind, der über den Rhein zieht, bläst die Schadstoffe spürbar weg. Hier messen wir sauberere Luft, die Werte sinken ab auf Werte zwischen 16.000 und 18.000 Partikeln.

Eine kurze Erholung für die Lunge!

Messwerte Kennedybrücke

 

Das dicke Ende folgt auf dem Fuße. Sobald wir die Brücke verlassen und den Bertha-von-Suttner-Platz erreichen, stehen wir mitten im völlig überlasteten Kessel der Innenstadt. Durch das Verkehrschaos der großräumigen Sperrung steht die Luft zwischen den Häuserzeilen praktisch still. Busse, Bahnen und der reingepresste Autoverkehr wirbeln Dreck und unangenehme Gerüche in Dauerschleife auf. Das Messgerät schlägt Alarm: Über 20.000 lungengängige Partikel registriert der Sensor am Zielort.

Messwerte Bertha-von-Suttner-Platz

Was diese Zahlen jedoch verschweigen: Die gemessenen 20.000 Partikel an der Straße zeigen in Wahrheit nur die Spitze des Eisbergs. Verbrennungsmotoren stoßen Partikel aus, die meistens viel kleiner als 0,3 µm sind – oft bewegen sie sich im Bereich zwischen 0,01 und 0,1 µm.

Da das von uns verwendete Messgerät misst bauartbedingt erst ab exakt 0,3 µm und besitzt eine Zähleffizienz von 50 %. Es erfasst den allergrößten Teil der frisch ausgestoßenen Ruß- und Abgaspartikel direkt an der Straße also schlichtweg nicht.

Die tatsächliche Anzahl der Teilchen, inklusive der ultrafeinen Partikel unter 0,3 µm, ist im dichten Verkehr um ein Vielfaches höher als im Umland.

Hinzu kommt: Diese ohnehin schon besorgniserregende Messung fand unter fast optimalen meteorologischen Bedingungen statt. Die sommerliche Lage mit viel Sonnenschein sorgte für eine gute Thermik und reichlich Luftaustausch. Im Winter, wenn Inversionswetterlagen die Luft wie eine Käseglocke über der ohnehin durch die Sperrung kollabierenden Stadt einsperren, werden die Unterschiede zwischen Zentrum und Randlage noch um ein Vielfaches dramatischer.

 

Erst an der letzten Station unserer Fahrt, als wir ins Randgebiet Pützchen und ins dortige donnerwetter.de-Büro zurückkehren, atmet auch der Sensor durch. Hier, wo sich Wohngebiete und Grünflächen abwechseln, zeigt das Messgerät am Ende der Route einen Wert von 17.322 Partikeln pro Kubikzentimeter. Ein solider, deutlich niedrigerer Wert für die städtische Randlage bei sommerlichen Bedingungen.

Für Radfahrer und Fußgänger in Bonn bedeutet das: Jeder Weg zur Arbeit wird durch das aktuelle Verkehrschaos nicht nur ein Kampf um den sicheren Platz auf der Straße, sondern auch ein tiefer Zug aus dem Abgasschlot der Stadt.

Messwerte Pützchen

 

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