Fast 9.600 Hitzetote in der Juni-Hitzewelle

aktuell, 06.08.2026

Die wahre Dramatik der Hitzewelle zeigt sich erst jetzt in den RKI-Zahlen.

 

Die Zahlen zur Hitzewelle Ende Juni 2026 fallen deutlich dramatischer aus als zunächst angenommen. Nach einer Neuberechnung des Robert Koch-Instituts (RKI) sind allein in der Extremhitze-Woche vom 22. bis 28. Juni schätzungsweise 9.600 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben – fast doppelt so viele wie ursprünglich geschätzt. Für das gesamte Jahr 2026 summiert sich die Zahl der hitzebedingten Todesfälle damit bereits auf rund 11.900 und liegt damit höher als in jedem kompletten Kalenderjahr seit Beginn der Aufzeichnungen 2016.

 

vom Statistischen Bundesamt berichtete Sterbezahlen. Grafik (c) RKI

Rekord-Hitzewelle im Juni 2026

Der Juni 2026 war deutschlandweit der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, mit einer Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad – nur im Jahr 2019 war es mit 19,8 Grad noch wärmer. Für die Zeit von April bis zum 21. Juni schätzte das RKI zunächst rund 810 hitzebedingte Todesfälle, die sich fast ausschließlich auf eine erste Hitzephase Mitte Juni zurückführen ließen.

Den eigentlichen Höhepunkt erreichte die Hitzewelle in der letzten Juniwoche. Vom 22. bis 28. Juni kletterten die Temperaturen vielerorts auf über 40 Grad, an 46 Wetterstationen wurde deutschlandweit am 27. Juni die 40-Grad-Marke geknackt, der nationale Rekord fiel dabei mehrfach innerhalb weniger Tage. Auch nachts gab es keine Abkühlung: Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die wärmste seit Messbeginn.

Entscheidend für die Sterblichkeit war laut RKI vor allem die anhaltend hohe Wochenmitteltemperatur – der Mittelwert aus Tages- und Nachttemperaturen über sieben Tage. Sie lag vom 22. bis 28. Juni bundesweit bei 26,4 Grad und damit weit über der Schwelle von 20 Grad, ab der das RKI-Hitzemodell typischerweise einen deutlichen Anstieg der Sterblichkeit verzeichnet. In allen 16 Bundesländern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur von über 20 Grad gemessen.

Meldungen mit Verzögerung

Dass die tatsächliche Zahl der Hitzetoten erst jetzt, mehr als fünf Wochen später, sichtbar wird, hat einen methodischen Grund: Die bundeslandspezifischen Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes, auf denen die RKI-Schätzungen basieren, werden erst mit einer Verzögerung von fünf Wochen vollständig gemeldet. Erst der aktuelle Wochenbericht, der den Zeitraum vom 6. April bis 26. Juli betrachtet, enthält deshalb die hitzebedingten Sterbefälle aus der Rekordwoche in vollem Umfang. Ursprünglich war das RKI für die heiße Periode von mehr als 5.000 Todesfällen ausgegangen – nun zeigt sich, dass es fast doppelt so viele waren.

Vor allem ältere Menschen betroffen

Die Auswertung nach Altersgruppen macht deutlich, wie ungleich die Hitze trifft: Mit gut 6.000 Todesfällen entfiel der weitaus größte Teil auf Menschen ab 85 Jahren. Bei den 75- bis 84-Jährigen waren es knapp 3.000, bei den 65- bis 74-Jährigen knapp 1.800 Todesfälle. Auf alle Altersgruppen unter 65 Jahren entfielen zusammen gut 1.100 Todesfälle.

 
 
 
 
 
 
 
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